Rostock, allein zu Haus

Im Forum wird zwar drüber gesprochen, aber nicht debattiert: Warum eigentlich auswärts nach Rostock fahren? Die Mannschaft unterstützen! Kein Fussball den Faschisten! Gibt’s da noch mehr Argumente?

Sagen wir mal als Basis: Sport ist politisch und natürlich Teil der Gesellschaft. Und natürlich soll es keine no-go-areas geben. Weder in Hamburg, noch in Rostock, noch sonstwo. Sagen wir weiterhin, wir sind die Guten. Gewaltfrei, solange man uns nicht angreift. Wer das nicht unterschreiben möchte, muss nicht weiterlesen.

Jetzt stehen wir aber gemeinsam am Vorabend einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung für Montag. Alle kommen mit ein wenig Beschwichtigungsrhetorik („hoffentlich bleibt es friedlich“), die jedoch damit endet, dass man bereit ist. Und der Verdacht drängt sich auf, dass auch in unseren Reihen Leute unterwegs sind, die man beim Gegner als erlebnisorientiert bezeichnet. Die sehr emotional reagieren. Die ich mit folgendem Zitat aus anderem Zusammenhang beschreiben möchte.

Das wird natürlich alle die Leute enttäuschen, die anstatt des „verhassten Systems“ lieber ihre eigenen Regeln machen würden, aber diese eigenen Regeln sind dann meistens ein Gewalterlebnispark, wo das alte darwinistische Gesetz des Stärkeren gilt. Finde ich ehrlich gesagt nicht erstrebenswert.

Wenn nämlich der gute Zweck die Mittel heiligt, dann kann ich auch stattdessen „24“ mit Jack „Folter ist OK“ Bauer gucken. Oder wir machen mal was überraschendes: wir stellen uns vor es ist Prügeln und keiner geht hin. Von mir aus auch erst beim nächsten Spiel, wenn’s eins gibt, denn die Karten für Montag sind verkauft. Aber damit hätten man die Chance der TV-Öffentlichkeit zu zeigen, was da passiert. Das man dort nicht mehr hingehen kann, weil die Zustände nicht tragbar sind. Inklusive Pressekonferenz mit Sven Brux und Corny Littmann.  Die Reaktion darauf möchte ich mal erleben. Das sind dann keine spinnterten USPler oder linke Anarchos, das wäre ein mächtiges Zeichen.

Oder was meint Ihr?

Advertisements

13 Antworten zu “Rostock, allein zu Haus

  1. ……………..
    Obendrauf unterschreibe ich. Aber das ist ja nicht neu. Und warum es nicht passiert, wissen wir auch.

  2. Alles in Ordnung, aber nicht zum Spiel zu fahren ist für mich das komplett falsche Zeichen.

    • Weil..? man ja da sein muss? Warum?

    • Gut, bei sieben Heimspielen in Rostock war das Hinfahren aber anscheinend auch nicht das richtige Zeichen, weil sich nichts ändert.

      Wäre eine Alternative so undenkbar? Oder ist das einfach so Weitermachen irgendwie Pflicht?

      Würde auch gerne eine Begründung hören, mal abgesehen von „Mannschaft unterstützen“, das sind Profis und die haben trotz Unterstützung nun ja auch sechs von diesen sieben Spielen verloren….

  3. Ich für mein Teil kann leider nicht hin, da ich arbeiten muss. Wäre es am Sonntag oder Samstag gewesen wäre ich auch gefahren. Alleine weil ich diesen Fratzen zeigen will, das ich mich nicht abschrecken lasse. Und ich das ungemein toll finde das wieder 2000 Leute den weg nach Rostock auf sich nehmen. Sowohl für das Team wie auch ein weiteres Zeichen gegen RECHTS

    • Du möchtest also Mut beweisen und freust Dich über die Unterstützung des Teams. Und findest das ein weiteres Zeichen.
      Ich finde es ein Zeichen von Übermut und ein Zeichen von übermäßiger Selbstverpflichtung an bestehenden Mustern festzuhalten, wenn doch so wenig Erfolg in Aussicht ist.

      Ich kann nur nicht versprechen, das die Alternative nicht zu fahren, was ändern würde. Aber dann müssten die sich gegenseitig kloppen. Hätte doch was.

  4. Kann ich so unterschreiben. EIGENTLICH ist „nicht hinfahren“ keine Lösung, aber wie Frau Jeky so treffend sagt: Hinfahren ja auch nicht.

    Und vielleicht – nur vielleicht – bringt’s ja doch was, und wenn nicht? Mal ehrlich: Die Jungs auf dem Rasen gewinnen nicht wegen uns, vielleicht für uns, aber… Einfluss auf das Spiel haben wir fast keinen. Ob da nun 2000 in HRO dabei sind, oder peng.

    • Am besten wäre ja, wenn sich das Thema nach dieser Saison erstmal erledigt hätte, aber man sieht sich ja doch immer mehrmals…

      MAL nicht hinfahren wäre vielleicht keine Lösung, aber ein Zeichen.

      Aber wie hieß es so schön im Forum: gegen den Glauben, dass es ohne Fan-Unterstützung nicht geht, kann man schlecht an-argumentieren.

  5. Pingback: uberVU - social comments

  6. Ich bin ja absolut kein Fußballfan, aber es scheint mir, als ginge es darum, das es bei Spielen in Rostock immer wieder zu Ausschreitungen kommt.

    Wie ist das denn mit den Eintrittsgeldern aus deren Spielen? Darf die der Verein behalten, oder gehen die an den DFB und der verteilt die gleichmäßig.

    Falls die Eintrittsgelder an den Verein gehen, finde ich das Wegbleiben schon einen sinnvollen Weg. Manche lernen eben nur durchs Portemonaie. Wenn das die Fans von 2-3 Vereinen nacheinander durchziehen, kommen die in Geld und Erklärungsnot.

    • Geld im Fussball wird nicht mehr mit Eintrittskarten verdient.

      • Das Eintrittsgeld (geht an den Verein) ist zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber bei ca. 13 Euro pro Karte für ca. 2.000 Fans wären das auch 26.000 Euro plus Konsum im Stadion. Weh tun würde das alleine nicht, aber schaden auch nicht.
        Der Vereinsreputation würde es aber schaden und das ist quasi unbezahlbar.

  7. Pingback: Hansa Rostock – FC St. Pauli, 02.11.09 Die verbotene Stadt. | Linus-Neumann.de