Blogwichteln 2009: Fussball verbindet.

Oh Gott – was ist das denn hier für ein Blog??? So dachte ich als erstes, als mir dieser Blog von Frau Buthi zugewichtelt wurde. Ein Blog, so völlig anders als meiner. Letztes Jahr konnte ich immerhin noch eine lustige Filmkritik beim Blogwichteln texten, weil der mir zugeloste Blog überwiegend Filmkritiken bringt. Aber Fussball??? WTF!

Wenn ich überhaupt mal was über Fussball blogge, dann handelt es sich ein- bis zweimal im Jahr darum, dass ich vom Onlineshop des FC Bayern Post bekomme. Geburtstagsgutscheine oder so’n Schrott. Wobei ich bis heute nicht weiss, welcher Bananenbeuger mich dort vor ein paar Jahren angemeldet hatte. Ich war es nämlich bestimmt nicht und vermute mal, dass es meine Ex war. Aus Rache. Wegen der Scheidung oder so. Sie ist nämlich treuer bis fanatischer Bayernfan, die sogar ein Auto mit Kennzeichen „F-CB“ hat. Das muss man sich als geborener Frankfurter und Anhänger der Eintracht echt mal durch die Birne gehen lassen – heute für mich nicht mehr nachvollziehbar, wie ich es die 15 Jahre mit jener Frau ausgehalten habe. So vereinstechnisch.
Also einen Beitrag über Fussball. Ich überlegte die letzten Tage. Schwer. Echt schwer! Sollte ich über die Auswärtsspiele der Frankfurter berichten, zu denen ich früher noch öfters als heute fuhr? Als mir ein Dortmunder „Fan“ mir die Sonnenbrille auf meiner Nase zertrümmerte und zu seinem Pech nicht bemerkte, dass hinter mir ein paar Jungs von der Adlerfront liefen? Über die vergeigte Meisterschaft in Rostock, als G. einen Balkon mit krakelenden Rostocker Fans enterte, diesen „aufräumte“ und im Anschluss über das Geländer ein Siegerpippi machte? Oder wie schwer es ist, einen Omnibus mit gegnerischen Fans zu entern?

Oder etwas später, als ich längst viel ruhiger in meinem „Enthusiasmus“ als Fan geworden war, aber mit meiner Ex in München nach dem unsäglichen 1:5 der deutschen Nationalmannschaft gegen England nur knapp einer Katastrophe entging, weil wir plötzlich mittendrin waren, als englische Hooligans eine Tankstelle mit Leuchtspurmunition beschossen? Nein, nichts von dem, was Fussball eben nicht auszeichnet – Gewalt.

Direkt im Anschluss an jenen Abend gingen die beste Ex-Frau von allen und ich auf den Schreck an der Tanke noch in eine Kneipe, um dort festzustellen, dass diese komplett in englischer Hand war. Wir dort die einzigen schwarz-rot-gold Dekorierten waren. Egal – denn wir hatten damals einen Riesendurst. Uns dann etwas später am Tresen ein paar Engländer ansprachen; wir über das vergeigte Spiel der Deutschen diskutierten und friedlich und freundschaftlich über den Fussball an und für sich palaverten. Wir beide plötzlich mittendrin waren im Leben der anderen, jenen von dieser ach so gehassten Insel und man uns Runde auf Runde einlud und ein älterer Fan aus Heathrow meiner Ex zum Abschied spät in der Nacht einen Strauss Rosen schenkte.
Das ist nämlich Fussball. Ein Sport, der verbindet und Menschen zusammenbringt. So wie bei der WM 2006 in unserem Land. Die für mich immer noch der unglaublichste Sportevent in meinem Leben darstellt. Weil in jener Zeit etwas geschah, was in mir immer noch nachwirkt. Denn in dem Stadtteil, in dem ich wohne, kannten man sich bis dato meistens nur vom Sehen her. Ein kurzer Gruss, ein Kopfnicken, das war es dann aber auch schon, was man so mit den Leuten aus der direkten Nachbarschaft an Kommunikation betrieb.
Bis zu unserer WM allerdings nur, denn in 2, 3 Kneipen und Biergärten gab es bei uns Public Viewing. Man hockte plötzlich mit bis zu 100 Leuten aus der Nachbarschaft zusammen, zitterte und jubelte mit ihnen, sprach mit ihnen und lernte sich gegeneinander in den vier sommerlichen Wochen in 2006 immer besser kennen. Und oft auch schätzen. Es entstand in jener Zeit eine kleine Gemeinschaft, die sich bis heute gehalten hat; in der die Leute aus meiner Gegend oft gemeinsam Dinge unternehmen, sogar zusammen in Urlaube fahren und vor allem eines machen – sie helfen einander und auch anderen.

Wenn ich an diese Zeit denke und was aus uns danach geworden ist, habe ich immer einen kleinen Kloss im Hals. Weil das alles für mich immer noch ziemlich unbegreiflich ist. Und ich müsste lügen, wenn ich sage, dass ich mich nicht wie Bolle auf die WM 2010 in Südafrika freuen würde. Meine Nachbarn, Bekannten und Freunde tun es nämlich auch schon. Da jetzt, wo die Auslosung rum ist, wir endlich die einzelnen Spieltage und unsere damit verbundenen gemeinsamen Aktivitäten für den nächsten Sommer planen können. Immer in der Hoffnung, dass die 2010er WM genauso friedlich, beindruckend und Menschen verbindend wird, wie jene in 2006.
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