Warum den Schiedsrichter opfern?

Die Diskussion um den Videobeweis, einen Chip im Ball oder die Torkamera ist schon entschieden. Denn die Technik ist da und ca. 7 Milliarden Menschen haben gestern gesehen, wie der Ball von Frank Lampard im Spiel Deutschland gegen England deutlich hinter der Linie war. Nur zwei Leuten offenbarte sich das nicht: dem Linienrichter und dem Schiedsrichter.

Warum dürfen die Schiedsrichter nicht noch mal gucken?

Es gibt immer wieder das Argument, dass der Fussball nicht technisiert werden darf und menschlich bleiben soll. Da Menschen Fehler machen, darf man kein perfektes Schiedsrichtergespann erwarten, wird oft angeführt. Es würde dem Fußball die Spannung, den Reiz, gar die menschliche Seele nehmen, wenn man technische Unterstützung hätte.

Nachvollziehbar ist das, aber soll im Kampf der 22 moderenen Gladiatoren der Schiedsrichter den Clown geben? Er ist doch das Opfer, das sich an seinem kurzen Blick orientieren muss und dann standhaft bleiben darf, während Publikum, Trainer, Ersatzbank und vielleicht alle auf der Stadionleinwand sehen, was er falsch gemacht hat. So wird der Unparteiische lächerlich gemacht.

Das ist höchst unsportlich und muss geändert werden. Sonst verliert der Sport sein menschliches Anlitz und den Sportsgeist.

Advertisements

5 Antworten zu “Warum den Schiedsrichter opfern?

  1. Wolfram Bernhardt

    Ich bin auch für den Videobeweis. Gleichermaßen, um den Schiedrichter undentlasten und zu schützen, zum anderen aber, weil so sofort Gerechtigkeit hergestellt wird.
    Daß es dem Spiel schadet, glaube ich kaum.
    Auch haben die Kameras Nebenschauplätze im Auge, wenn mal jemand dem anderen in die Locken spuckt oder so.

    Günther Netzer ist gegen den Videobeweis. Konnte aber nicht eineluchtend erklären, warum.

    wob

  2. Pingback: Wir müssen nicht gut finden, was ein anderer sagt, schreibt, denkt, aber um unserer eigenen Freiheit willen, müssen wir es ertragen.

  3. Im Falle einer extremen Spielsituation – wie einer übersehenen Tätlichkeit, Elfmeterentscheidung oder einem Tor – halte ich ein Einbeziehen der Fernsehbilder durch einen weiteren Offiziellen, der NUR auf Anfrage des Schiedsrichters seinen Kommentar abgeben kann, für sinnvoll. Jede einzelne Entscheidung per Videobeweis zu hinterfragen würde den Spielfluß hemmen und für die Zuschauer bei einem Live-Spiel wäre dies erst Recht die Hölle.

  4. Ein Chip im Ball wäre für eine Torentscheidung hilfreich – aber dazu müßte die Technik einwandfrei funktionieren. Die anderen Szenen würden dabei aber nicht abgedeckt werden – als Ergänzung zu dem Video-Schiri also gut, alleine nicht ausreichend.

    Eine Torkamera wäre etwas ähnliches – nur, daß mit einer solchen ebenfalls ein Betrachter der Bilder erforderlich wäre.

    Für die Glaubwürdigkeit des Fußballs wäre eine solche Entscheidungshilfe gleich welcher Art sinnvoll, aber man darf den Live-Charakter nicht vergessen. Ich möchte keine Spiele im Stadion erleben, wo alle paar Minuten die Parteien um einen Bildschirm herum stehen und dann entschieden wird, was gewesen sein soll…