Pfiffe beim Spiel Deutschland gegen Türkei

Im EM-Qualifikationsspiel Deutschland Türkei gab es vor dem Anpfiff ganz viele fröhliche Transparente. Während des Spiels gab es laute Piffe, wenn Mesut Özil den Ball führte. Da es wohl nicht die NPD war, liegt die Vermutung nahe, viele Anhänger der türkischen Mannschaft nehmen es Özil krum, dass er für den DFB spielt. Er hätte wie Rainer Bonhof die Möglichkeit gehabt, für das Land zu spielen, für das die Eltern einen Pass besassen.

Vielleicht müsste wir Deutsche es nun wiederum Guus Hiddink übel nehmen, dass er nicht Deutschland trainiert, wo er doch, wie alle Niederländer, deutschstämmig ist. Ist er nur über den Umweg seines Königs, zugegeben, und wir bürgern ja Rudi Gutendorf, Berti Vogts und Otto Rehhagel ja auch nicht aus. Und auch Josef Piontek nicht, der schon die Türkei trainiert hat. Vertrackte Situation, weiss man nun nicht mehr wen man anfeuern soll?

Region oder Idee?
Ich beobachte bei Nationalmannschaften einen ähnlichen Effekt wie bei Vereinen. Bei Mailand spielt kein Mailänder, bei Köln ein Alibi-Kölner und bei Stadtteilvereinen muss man auch international scouten. Daran ist überhaupt nichts verwerfliches, wenn die Vereine etwas zur Identifikation bieten: eine Idee wie der FC Sankt Pauli oder auch der SC Freiburg, ein Klischee oder Lebensgefühl wie ich es bei Mainz oder Köln vermute, eine Haltung, die ich Werder Bremen unterstelle oder eben schlicht Erfolg wie bei den Bayern.

Geld schiesst Tore.
Und Erfolg ist am ehesten noch mit Geld und allen Möglichkeiten, die sich daraus ableiten zu haben. Vereinsfussball ist also ein Wettbewerb der Cleverness, Geschäftstüchtigkeit und der Ökonomie. Zumindest, wenn es um Tabellenplätze und Pokale geht. Sympathie kann man auch anders erwerben. Regionale Verbundenheit hat man aber doch höchstens noch mit der Spielstätte. Bei den Länderauswahlen sind die Spieler alle Bürger ihres Landes, aber die Trainer eben schon lange nicht mehr. Auffällig ist das nicht erst seit Lothar Matthäus und Berti Vogts, denn Rudi Gutendorf (*1926) hat schon fast alle Länder der Welt (20) trainiert. Er ist unangefochtener König. Und sogar ein deutscher WM-Trainer ist in der folgenden Liste:

Nach dem Link weitere Daten, Ergänzungen gerne in die Kommentare:

  • Otto Pfister 10 (Ruanda, Obervolta, Senegal, Elfenbeinküste, Zaire, Ghana, Bangladesch, Saudi-Arabien, Togo, Kamerun)
  • Berti Vogts: 5 (DFB, Kuwait, Schottland, Nigeria, Aserbaidschan)
  • Eckhard Krautzun 5 (Philippien, Südkorea, Malaysia, Tunesien, China U20 und Frauen)
  • Antoine Hey 4 (Lesotho, Gambia, Liberia, Kenia)
  • Bernd Stange 4 (DDR, Oman, Irak, Weissrussland)
  • Holger Osieck 3 (Kanada, DFB (WM 1990), Australien)
  • Uli Stielike 3 (Schweiz, DFB (Jugend), Elfenbeinküste)
  • Dettmar Cramer 3 (USA, Saudi Arabien, Japan)
  • Sigfried Held 3 (Malta, Thailand, Island)
  • Josef Piontek 2 (Dänemark, Türkei) auch: Grönland, nicht FIFA-Mitglied) einziger deutscher Trainer, der mit einer Nationalmannschaft die bundesdeutsche Mannschaft in einem Pflichtspiel besiegen konnte; Matthäus konnte das in einem Freundschaftsspiel mit Ungarn
  • Lothar Matthäus: 2 (Ungarn, Bulgarien)
  • Wolfgang Sidka: 2 (Bahrain, Irak)
  • Erich Rutemöller 2 (DFB Jugend, Iran)
  • Otto Rehhagel 1 (Griechenland, EM-Sieger)
  • Klaus Toppmöller: 1 (Georgien)
  • Ottmar Hitzfeld 1 (Schweiz)
  • Winfried Schäfer 1 (Kamerun)
  • Ralf Zumdick 1 (Ghana)
  • Ralf Loose 1 (Liechtenstein)
  • Kurt Otto 1 (Polen)
  • Bernd Storck 1 (Kasachstan)
  • Egon Coordes 1 (U-23 Iran)

Quelle: Wikipedia.de

8 Antworten zu “Pfiffe beim Spiel Deutschland gegen Türkei

  1. Jogi Löw konnte wieder mal überzeugen und den alten Kurs zu WM-Zeiten in Südafrika erneut fortsetzen, wenn auch mit kleinen personellen Veränderungen. Nicht nur der Mannschaft gebührt ein Sieg, sondern vielmehr dem Bundestrainer. Ich empfehle eine Zusammenfassung zu Jogi Löws Verdiensten im Rahmen der WM 2010: http://2010sdafrika.wordpress.com/2010/07/11/sieg-fur-schwarz-rot-gold/.

  2. Pingback: Tweets that mention Pfiffe beim Spiel Deutschland gegen Türkei | STP1910 -- Topsy.com

  3. War da nicht noch Bernd Stange, als Auswahltrainer und irgendwo in Arabien (ich weis Arabien ist jetzt im Moment nicht so angesagt…..)

  4. Hmm, passt vielleicht nicht ganz, aber Oliver Pocher hat ja mal die Nationalmannschaft von Sansibar als Teamchef betreut.

  5. […] Die Fifa allerdings zeigte sich davon unbeeindruckt und lehnte das Aufnahmegesuch des Verbands ab. Ihren Statuten nach dürfen nur Verbände von anerkannt unabhängigen Staaten Mitglied werden. Darunter fällt Sansibar nicht. Sansibar bildet mit dem ehemaligen Tanganyika seit 1964 den Staat Tansania. „Damit erfüllt Sansibar die Mitgliedschaftskriterien einfach nicht“, sagt Andreas Herren von der Fifa. „Wir können ja nicht unsere eigenen Statuten umgehen.“
    […] Quelle: http://tinyurl.com/35c5664

    Dabei frage ich mich doch seit wann Schottland, England und Wales unabhängigen Staaten sind… aber als die Mitglied wurden gabs die Statute (?) wohl noch nicht.

  6. Die drei und die Iren haben den Fussball vor der Fifa erfunden, daher dürfen die auch die Regeln machen:

    http://tinyurl.com/39dunl6