Die Relevanz von Scheisse auf dem Fussweg

Der Shitstorm trägt seinen Namen wohl zurecht, denn meist trägt ihn mehr eine emotionale Welle, als eine durchdachte politische Philosophie. Wie ein Mischung aus fensterguckendem Rentner und pubertierendem Jungen kommt er in seiner Art und Weise oft daher. Eher Triebabbau als Kampagne.

Er ist die Radio-Kampagne – schnelle Bekanntheit günstig produziert. Aber selten wird der Shitstorm mit Substanz und Inhalt unterfüttert. Es bleibt also bei Scheisse schmeissen als Titel und Botschaft.

Und davor sollen Jack Wolfskin und Nestlé zittern? Die Sau die durch das Dorf gehetzt wird, ist heute hier, morgen da und von diesen beiden Fällen spricht auch schon kein Mensch mehr. Viele der Aufreger-Tweets sind auch nah an den paradoxen Kommentaren bei Online-Zeitungen, die darüber sprechen, dass man den kommentierten Artikel gerade nicht lesen will. Muss man ja nicht. Aber dann hat man ja nix zu aufregen und somit nix zu sagen.

Abgestimmt wurde früher an der Ladenkassen im Supermarkt: man kauft den Schokoriegel oder nicht. Heute wird bei Amazon abgestimmt: kaufe ich bei einer Firma, die ihren Kunden auch mal die Server sperrt?

Das kann man sich in Ruhe zwischen zwei Stürmen überlegen, denn das ist die wichtige Entscheidung. Bis dahin ereilen Social-Media-Aufreger das Schicksal von Radiospots, sie versenden sich im Hintergrund.

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