Warum der FC St. Pauli in der ersten Liga spielen muss

Regelmäßig kommt mir der Satz über die Lippen, dass wenn Mainz oder Freiburg in der ersten Liga spielen können, der FC Sankt Pauli das auch kann. Vergleichswert ist im Hinterkopf dann immer die Grösse der Stadt. Wenn man da erst mal anfängt, dann sieht man, wer alles erstklassig ist:

Stadt Einwohner

  • Mainz 200.000
  • Wolfsburg 120.000
  • Kaiserslautern 100.000
  • Sinsheim 35.000
  • Sankt Pauli 27.000
  • Ok, muss heißen

  • Hamburg 1.500.000
  • Ist das aber der richtige Wert? Was heißt denn Einwohnerzahl beim Fussball?

    Früher, als wir uns noch Blei in die Schuhe getan haben, hieß das potentielle Spieler und potentielle Zuschauer und somit Einnahmen. Heute sind Schuhe gelb-rosa und die Welt ist der Transfermarkt der Bundesliga. Und die Welt ist prinzipiell auch die maximale Zuschauerzahl. Die Einnahmen werden nicht mehr über Tickets erreicht (25% des Gesamtetats durchschnittlich) , sondern über TV. Vermarktung weltweit ist ebenfalls möglich und teilweise Praxis.

    Wenn also Fernsehgelder mehr als die Hälfte der Einnahmen ausmachen – warum muss Sankt Pauli dann in die erste Liga?
    Muss es ja deswegen gar nicht. Die Braun-weißen sind ja eher kritisch und die Teufel vom Betzenberg und die Narren aus Mainz geben auch schöne Bilder. Es hängt doch an der Stadt.

    Denn wenn es um guten Fussball geht, braucht man immer noch gute Spieler, gute Trainer und gutes Management. Finanziell sehe ich am Millerntor potentiell eben Chancengleichheit mit allen kleinen und großen Vereinen auch wenn man mal den Stadionnamen nicht vermietet. Also gleich viele Möglichkeiten außer dass die großen Vereine schon mehr Vermögen in Steinen und Beinen angehäuft haben. Woher dann das gute Personal bekommen, wenn nicht mit Geld?

    Weil es in der zweitgrößten Stadt Deutschlands wohnen und arbeiten könnte. Standortfaktor Lebensqualität. Ich singe jetzt nicht das Loblied auf die Hansestadt, die Melodie und mögliche Textzeilen kann sich jeder vorstellen. Denn nicht nur Größe ist entscheidend. Weltoffenheit, wohlhabende Stadt und gut gemischte Milieus sind Gründe hier zu arbeiten. Auch als Fußballprofi. Immer werden Menschen auf die Bohrinsel gehen und dort ein Vielfaches mehr verdienen als im Hamburger Hafen, aber wer will schon sein Leben auf der Bohrinsel verbringen?

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